Jahreslosung 2020

"Ich glaube, hilf meinem Unglauben!"

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Du glaubst es nicht…!“ sagt meine Frau. Sie liest einen Artikel über einen Unfall mit zwei Toten. Der Fahrer hatte mit dem Handy telefoniert, geriet auf die Gegenfahrbahn: Crash! Tote und Verletzte! Unglaublich!

Es ist leicht vom Unglauben zu reden. Ein täglicher Blick in die Zeitung genügt: Krieg, Hunger, Flucht, Drohungen, Verrrohungen, Leichtsinn, Katastrophen. Dazu kommen die persönlichen Krisen und Verzweiflungen. Da ist zum Beispiel ein Vater mit einem schwerkranken Kind. Es wälzt sich auf dem Boden und hat Schaum vor dem Mund. Es fällt ins Feuer oder ins Wasser. Es geht um Leben und Tod. Kein Arzt konnte helfen. Es ist, als ob ein böser Geist den Jungen ergriffen hat. In seiner Verzweiflung vertraut sich der Vater einer christlichen Jüngerschar an. Die geben ihr Bestes, doch auch sie können trotz aller Bemühungen nicht helfen.

Diese Geschichte steht in der Bibel. Es heißt dort: Die Leute bringen schließlich den Vater mit dem Kind zu Jesus persönlich. Jesus befragt den Vater: „Wie lange leidet der Junge schon? Wie oft passieren diese Anfälle?“ Dem Vater platzt der Kragen. Zu oft schon musste er die Krankheitssymptome schildern und nichts passierte. Er schreit: „Wenn Du etwas kannst, dann erbarme Dich unser!“ Jesus reagiert genervt: „Wenn Du kannst? Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!“ Und dann bricht dieser Satz aus dem Vater hervor: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Ich verstehe diesen Schrei der Verzweiflung so: „Ich möchte gerne glauben, aber ich habe soviel Unglaubliches erlebt, dass ich eigentlich – sprichwörtlich – „vom Glauben abgefallen“ bin…!“ Da ist kein Gottesdienst, der einen stärkt; kein Lied, das einen trägt.; Die eigene Sprache wird stumm und religiöse Floskeln widern einen an. Das alles ist verständlich. Der Verlust des Glaubens treibt aber noch tiefer in die Verzweiflung. Der Vater weiß das; er will wieder glauben und jemandem Vertrauen können. Er will wieder leben. Er und sein Kind. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Wenn ein Wunder geschehen würde, dann wäre es leichter zu glauben, könnte man denken. Aber hier ist es genau anders herum: Es braucht schon den Willen zum Glauben, damit sich ein Wunder, eine Heilung einstellt. So sagt es Jesus. Kann man einen wirkungsvollen Glauben lernen?

Nein, das kann man nicht. Aber man kann versuchen darauf zu vertrauen, dass Gott einen hört, wenn man betet. Man kann sogar beten: „Hilf meinem Unglauben!“ Dann passiert nicht unbedingt immer gleich etwas Großartiges. Aber es hilft, wieder Kraft zu bekommen, Stärke zu finden, um das Leben zu meistern. Die Jahreslosung ist kein Rezept für Problemlösungen, aber eine Ermutigung, den Glauben wieder zu entdecken. Einen Glauben, der hilft, der trägt, der einen Atmen lässt auch wenn es Ereignisse gibt, die einem den Atem rauben können. In unseren Kirchen auch auf Teneriffa gibt es genug Möglichkeiten den Glauben im neuen Jahr auszuprobieren oder ihn wachsen zu lassen: Im Gottesdienst, im Singen und Beten, in der Diskussion oder im Einzelgespräch, Beim Wandern oder gemeinsam Bibellesen. Wir freuen uns auf Sie!

Übrigens: Jesus hat das kranke Kind tatsächlich geheilt. Und er hat gesagt, dass manchmal nur Beten hilft.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und friedliches neues Jahr 2020

Ihr Pfarrer Immo Wache