Lichtblicke - hier finden Sie regelmäßig und aktuell die im Wochenblatt erscheinenden Texte unserer Pfarrer

Gruß aus der Heimat

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Worte schreibe ich aus meiner Heimat in Münster. Nach fast neun Monaten Dienst in der Gemeinde Teneriffa-Nord konnten meine Frau und ich wieder unsere Koffer packen und den Heimaturlaub antreten – Kinder und Enkelkinder, Familie, Freunde und Nachbarn wiederzusehen – eine Freude.

Wir waren froh, in den letzten Monaten hier auf der warmen, brandungsumtosenden Insel Teneriffa mit seiner Blumenfülle im Norden zu sein -  es ging hier etwas entspannter zu als in Deutschland, wo weniger erlaubt war. Im vergangenen Jahr war es allerdings umgekehrt.

Die Pandemie lähmt das öffentliche Leben und verlangt einiges von uns. Wir werden uns unserer Verletzlichkeit bewusst. Es gibt keine Sicherheit, jeden Moment können wir alles verlieren, was uns lieb ist. Ich fühle mich beschützt in Gottes Hand und kann so meine Machtlosigkeit leichter akzeptieren. Die Pandemie lehrt uns aber auch, die kleinen Dinge des Lebens neu zu schätzen.

Wir haben gemeinsam verkürzte Gottesdienste gefeiert, und uns penibel an die Corona-Vorschriften gehalten, nicht gesungen und vieles mehr. Wir bedanken uns bei allen, die die Gottesdienste nicht versäumt und treu Flagge gezeigt haben in diesen Zeiten – für Ängstliche und Vorerkrankte hatten wir Verständnis.

Mehrere Monate wieder zu Hause,  in der vertrauten Stadt, in vertrauter Sprache. Im Herbst kommen wir zurück und sind beide geimpft – so will es auch unsere Behörde.

Uns tut es  gut, im Älterwerden noch eine Aufgabe zu haben, im erlernten Beruf noch weiter arbeiten zu können, gemeinsam noch etwas zu bewegen und zu hören, dass sich die Leute auf unsere Rückkehr freuen.

Als Auslandspfarrer bin ich mit meiner Frau seit einigen Jahren in verschiedenen Ländern unterwegs, und das bedeutet, Veränderungen auf sich zu nehmen, und das Loslassen gehört auch dazu. Neues annehmen können, neugierig bleiben, Gemeinden mit ihren Menschen kennenlernen, neue Bekanntschaften schließen, andere Sprache, andere Kultur, andere Landschaft, anderes Essen und Gerüche. Dieser Herausforderung stellen wir uns. Verantwortung übernehmen, Freud und Leid teilen, zuhören und hinhören, tröstende Worte sprechen, Einsamen zur Seite stehen…

Man darf nicht zu viel erwarten, um nicht enttäuscht zu werden – bei guter Gelassenheit wird man immer wieder neu beschenkt.

Gerhard Jacobs

 

mehr Lichtblicke aus vergangenen Wochenblättern: