Lichtblicke - hier finden Sie regelmäßig und aktuell die im Wochenblatt erscheinenden Texte unserer Pfarrer

„Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche“ …

…sagt man: Die Jünger waren (wieder einmal) ängstlich versammelt und wussten nicht recht, wie es nach der Himmelfahrt Jesu ohne den sichtbaren Christus weitergehen sollte. Da braust ein kräftiger Wind durch sie hindurch und sie fangen an, in allen möglichen Sprachen von Jesus zu erzählen. Der Heilige Geist – so heißt es – sorgt dafür, dass die Botschaft von der Liebe Gottes weltweite Kreise zieht. Die Gemeinschaft Jesu ist nicht mehr auf Israel, nicht auf die jüdische Tradition begrenzt, sondern lädt jeden ein. (nachzulesen in der Apostelgeschichte, Kapitel 2)

Im theologischen Examen bin ich gefragt worden, was denn für mich die Kirche wäre: Ist es die Gemeinde, die sich sonntags in der Kirche versammelt? Ist es die Gemeinschaft der Getauften? Ist es die Gemeinschaft derjenigen, die sich aktiv in die Kirche mit einbringen? Sind es überhaupt diejenigen, die Mitglied in einer Kirche sind? Oder gehören auch die dazu, die eine Kirchenorganisation ablehnen aber trotzdem an Christus glauben? Und wie steht die christliche Gemeinde zu den Juden, der Glaubensgemeinschaft der Jesus, Petrus und Paulus selber angehörten? Gar nicht so leicht, eine richtige Antwort zu finden!

Und die Antwort, was Kirche ist, fällt noch schwerer, wenn – wie jetzt – keine (üblichen) Gottesdienste gefeiert werden und so viele Menschen bereits die Kanaren verlassen haben. Fällt die Kirche aus? 50 Tage nach Ostern (Pfingsten kommt vom Wort pentecoste = 50) kein Geburtstag der Kirche, sondern Totengräberstimmung?

Nein, so ist es nicht! Wir Pfarrer stehen in den Startlöchern. Wir bleiben auch hier! Sobald die Eigentümer der Kirchen (z.B. die katholische oder anglikanische Kirche) die Öffnung zulassen, geht es los. Im Süden planen wir einen ersten evangelischen Gottesdienst zu Pfingsten im „Haus der Begegnung“, wenn denn die Zugänge zum Centro Comercial Salytien wieder frei zugänglich sein sollten. Wir haben für den Bedarf Masken gekauft und Desinfektionsmittel. Wir werden die Stühle im vorgeschriebenen Abstand aufstellen und keine Gesangbücher benutzen. Das ist nicht schön und vor allem nicht wie früher, aber Gottesdienste gehören zur Kirche einfach dazu.

Kirche findet aber auch da statt, wo wir in Verbindung bleiben; wo wir uns erkundigen, wie es dem anderen oder der anderen geht. Wir telefonieren viel mehr als vorher und führen regelmäßig Videokonferenzen durch um auch sichtbar in Verbindung zu bleiben. Wir beten gemeinsam mit den Christen weltweit für ein Ende der Pandemie.

Kirche hat auch eine wichtige Funktion für die Schwachen und Bedürftigen. Gott sei Dank haben wir in der vergangenen Saison Spendengelder bekommen. Davon haben meine Frau und ich gerade wieder Lebensmittel gekauft, die wir zum Conviento Hermano Pedro nach Vilaflor bringen. Die Nonnen dort verteilen sie dann an die Bedürftigen, von denen es durch den Wegfall des Tourismus immer mehr gibt. (Mehr dazu unter www.evangelische-kirche-teneriffa.de)

Die Kirche hat schon viele Krisen erlebt. Aber die Sache Jesu bleibt und der Heilige Geist treibt uns immer wieder an, unseren Glauben in Wort und Tat zu gestalten. Bleiben sie dabei oder: Machen sie mit! Ich wünsche uns allen gesegnete Pfingsten!

Ihr Pfarrer

Unterschrift Immo Wache

 

 

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