Lichtblicke - hier finden Sie regelmäßig und aktuell die im Wochenblatt erscheinenden Texte unserer Pfarrer

7 Wochen ohne Lügen?

 

7 Wochen ohne Lüge! Ist das möglich? Geht ja gar nicht! Oder doch?

 

Fast zwei Drittel der Deutschen glauben, auf Fragen wie „Hat es Ihnen geschmeckt?“ oder „Wie sehe ich aus?“ dürfe man mit einer Lüge antworten. Das ergab eine Umfrage. Gefälligkeitslügen nennt man das. Meist geht es darum, jemanden mit seiner ehrlichen Meinung nicht zu verletzen, und darum, eine Auseinandersetzung zu vermeiden. Was denken Sie darüber?

 

Wie wichtig die Verlässlichkeit und Wahrheit unserer Worte für unser menschliches Zusammenleben sind, wird schon darin deutlich, dass bereits in den zehn Geboten Gottes ein Gebot enthalten ist, das mit „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten“ das Thema Wahrheit und üble Nachrede aufgreift. Im Konfirmandenunterricht habe ich es das Antimobbing-Gebot Gottes genannt. Dass der amerikanische Präsident öffentlich bisher nachweislich über 8000 falsche Behauptungen aufgestellt hat, stört viele seiner Wähler leider nicht. Dass in den Medien mit Fake News, also mit Falschmeldungen, gezielt operiert wird und im Internet tatsächlich Millionen von sogenannten Bots installiert wurden, um Falschmeldungen in den Sozialen Medien massenhaft zu verbreiten und mit falschen „Likes“ bestimmte Meinungen zu unterstützen oder zu bekämpfen, ist eine traurige, für die Demokratie gefährliche Tatsache. Doch wie stehen wir persönlich zum Achten Gebot? Gilt es in unserem Leben? Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche macht unseren Umgang mit Wahrheit und Lügen in diesen 7 Wochen vor Ostern zum Thema. www.7-wochen-ohne.de.

 

Auch hier auf Teneriffa treffen sich Christen, um darüber ins Gespräch zu kommen, was Wahrheit eigentlich ist und wie wir sie erkennen können. Wie können wir Wahres und Umwahres unterscheiden, wie der Wahrheit des Glaubens auf den Grund kommen? Wie können wir erkennen, wie geschickt wir uns teilweise selbst belügen und uns etwas vormachen? Wie können wir so leben, dass unsere Worte und Taten zusammenpassen, damit wir glaubwürdig sind? Wie können wir ehrlicher miteinander umgehen? Wie können wir für die Wahrheit kämpfen? Manchmal muss man aufstehen und die Wahrheit stark machen, auch gegen den Strom.

 

Wie sehr wir uns auch um die Wahrheit bemühen, manchmal bleibt sie uns verschlossen und unser Suchen führt zu nichts. Gottes Wahrheit übersteigt unser Suchen und Ringen. Da ist es gut zu wissen, das Gott einem manchmal durch seine geöffnete Tür entgegenkommt. Dann geht einem ein Licht auf und der Groschen fällt. Das wünsche ich Ihnen.

 

Pfarrer Volker Thiedemann, Evangelische Gemeinde Teneriffa-Nord