Lichtblicke - hier finden Sie regelmäßig und aktuell die im Wochenblatt erscheinenden Texte unserer Pfarrer

Feiertage – heilsame Unterbrechungen des Alltags

Sonntagabend: Vor mir das Glas Rotwein. Im Fernsehen setzt der Kommissar gerade zum ersten aber entscheidenden Gedankengang an. Da schrillt das Telefon. „Wer ruft denn jetzt bitte schön an?“ Schießt es mir durch den Kopf. „Stör ich?“ fragt die Stimme unsicher. „Nein, natürlich nicht….“ schwindele ich und denke: „Es ist 20:43 Uhr und es ist „Tatort“-zeit im Fernsehen. Das weiß man doch!!!“ – Für mich ist es das Zeichen, dass der Sonntag seinem Ende entgegen geht. Feierabend auch für einen Pfarrer. Wöchentlicher Rhythmus.

Man sagt, hier auf den Kanaren sei jeder Tag Sonntag. Man drückt damit aus, dass man eigentlich zu jeder Zeit alles machen kann. Doch wenn alles gleich-gültig ist, gibt es ja nichts Besonderes mehr. Ich für meinen Teil brauche Zeiteinteilungen, brauche Rituale und einen Rhythmus. (Es muss nicht das Fernsehen sein.)

Schon in der Bibel steht in der Schöpfungsgeschichte, dass Gott am siebenten Tage ruhte. Deshalb soll auch der Mensch den Feiertag heiligen und sich und andere ausruhen lassen. Feiertage sind heilsame Unterbrechungen des Alltags. Sie sind für die Menschen da.

Es gibt die besonderen Feiertage im Kirchenjahr. Feiertage, die voller Lebensfreude sind wie die Geburt Jesu an Weihnachten oder die Auferstehung des Lebens an Ostern. Es gibt Feiertage, die eher nachdenklich stimmen wie Karfreitag: Tod und Ungerechtigkeit, Schuld und Vergebung sind ja Themen, die nicht nur Christen betreffen. Und dann gibt es Feiertage, deren Sinn sich nicht gleich für Ungeübte erschließen: Himmelfahrt gehört dazu. Es ist leichter, den Himmelfahrtstag als Vatertag mit einem bierseligen Ausflug zu feiern, als die Geschichte zu verstehen, die uns die Apostelgeschichte (Apg.1,6-11) erzählt. Es ist die Auftaktgeschichte des Berichtes über das Wirken der ersten Kirchengemeinden. Es ist egal, wie wir uns die Himmelfahrt vorstellen. Es geht darum, dass Christen - ohne die sichtbare Gegenwart Jesu - in seinem Namen verantwortlich leben und handeln.

Das zweite nicht leicht zu erschließende Fest, das in dem Zeitraum dieser Ausgabe des Wochenblattes liegt, ist Pfingsten. Pfingsten heißt übrigens auf Deutsch „50 Tage nach Ostern“ (aber das nur am Rande). Die Pfingstgeschichte erzählt, wie der heilige Geist auf die Apostel fällt. Sie haben also den „göttlichen Input“, um im Namen Jesu, die Gemeinde zu führen; sie haben den nötigen „Atem“ (das bedeutet nämlich das hebräische Wort für „Geist“) um auch Krisen durchzustehen, Hoffnung zu verbreiten, wo tiefe Sorge drückt. Richtig faszinierend ist in der Pfingsterzählung, dass Menschen aus aller Herren Länder in Jerusalem zusammenkommen und sich alle unabhängig von ihrer Hautfarbe oder Kultur verstehen. Pfingsten ist nicht nur eine alte Wundergeschichte, sondern – wenn es gelingt - auch in der heutigen Zeit wunderbar und heilvoll! Apg.2,1-13)

Ich finde es heilsam, ab und an miteinander den Alltag zu unterbrechen und nachzudenken, was unser Leben ausmacht. Und ich finde es gut, wenn möglichst viele diese Chance nutzen, miteinander ins Gespräch zu kommen oder zuzuhören. Der Geist dazu ist schon da! Himmelfahrt und Pfingsten sind für alle Menschen gedacht. Darum wünsche ich Ihnen allen: gesegnete Feiertage!

Ihr Pfarrer

Unterschrift Immo Wache

Immo Wache

 

 

mehr Lichtblicke aus vergangenen Wochenblättern: