Lichtblicke - hier finden Sie regelmäßig und aktuell die im Wochenblatt erscheinenden Texte unserer Pfarrer

„Feuer und Flamme!“

 

Ingo ist „fussballbegeistert“. Normalerweise ist er bei jedem Heimspiel seines Bundesligavereins im Stadion. Bei seinem Urlaub auf Teneriffa verfolgte er das letzte Spiel der Saison zumindest in einer Kneipe mit Liveübertragung am Strand von Playa de las Americas.

 

Kathrin ist „Feuer und Flamme“ für Yoga und Meditation. „Ich komme ganz zu mir selbst!“ sagt sie. Seitdem sie das für sich entdeckt hat, investiert sie viel Geld in Reisen nach Indien, um dort entsprechende Kurse zu besuchen.

 

Christina investiert regelmäßig Zeit in ihrer Kirchengemeinde. Sie ist im Kirchenvorstand, sie übernimmt sonntags Aufgaben im Gottesdienst. Sie besucht die Alten und organsiert den Kindernachmittag. Das macht sie alles ehrenamtlich und manchmal stöhnt sie unter der Last der Verantwortung. Aber sie findet es wichtig, dass es die Kirche gibt und für die Menschen da ist. Ihre Nachbarn kann sie dafür nicht begeistern. Oftmals hört sie: „Lass mich mit der Kirche zufrieden!“

 

Lukas erzählt, wie Menschen „Feuer und Flamme“, im wahrsten Sinne des Wortes „be-geistert“ von der Sache mit Gott waren: 50 Tage nach Ostern (pente-coste) waren die Jünger Jesu zusammen an einem Ort. Da gab es ein Brausen am Himmel und erfüllte das ganze Haus. Es sah aus, wie Feuer und Flammen, die über ihren Köpfen züngelten. Sie wurden erfüllt vom Heiligen Geist und fingen an in verschiedenen Sprachen von Gott zu erzählen. Die Leute um sie herum aus allen Nationen wunderten sich, dass die Jünger in ihren Sprachen redeten. Die meisten verstanden, dass Gott sich ihnen zugewendet hatte. Sprachen, Kulturen, Hautfarben: Das alles macht keinen Unterschied. Jeder Mensch ist ein Kind Gottes.

 

So steht es in der Bibel, in der Apostelgeschichte im zweiten Kapitel. Und wegen dieser Geschichte gibt es bei uns das Pfingstfest: Menschen sind begeistert von der Sache mit Gott. Sie sind Feuer und Flamme und bauen weltweit eine Gemeinschaft der Christen auf.

 

Über 70 Jahre ist es her, dass die unterschiedlichen Kirchen dieser Welt sich nach dem zweiten Weltkrieg 1948 in Amsterdam zusammentaten. Statt die Unterschiede zu betonen und sich gegenseitig auszugrenzen, akzeptierte man die „Einheit in der Vielfalt“. Heute gehören über 350 Kirchen weltweit zum Ökumenischen Rat der Kirchen mit Sitz in Genf. Sie verpflichten sich, auch bei den anderen Mitgliedskirchen die getauften Christen als Kinder unter der Gnade Gottes anzuerkennen.

 

Ich merke, dass ein kleiner Abglanz des Pfingstfestes und der großen ökumenischen Bewegung auch in unseren Gottesdiensten hier auf Teneriffa zu spüren ist: Wir feiern den deutschsprachigen evangelischen Gottesdienst in der anglikanischen (Puerto de la Cruz) oder der katholischen Kirche (Playa de las Americas). Wir nutzen die Kirchen zusammen mit den Anglikanern und den Finnen und den Spaniern. Zu uns kommen Katholiken, Freikirchler und evangelische Christen. Niederländer, Schweizer, Österreicher, Deutsche, Italiener begegnen sich. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen, aber sie sind eins im Glauben an den einen Gott. Wir kümmern uns nicht nur um den „eigenen Verein“ und auch nicht nur um unser eigenes „Ich“. Da weht ein anderer Geist als der, der Grenzen und Mauern wieder für notwendig hält. Pfingsten ist darum gerade heute ein „Lichtblick Gottes für die Welt!“

 

Ich wünsche Ihnen allen gesegnete Pfingsttage, Ihr Pfarrer Immo Wache